Open Access und Kooperationen gefordert

Mit Open-Access Geschäftsmodellen könne den Verbänden zufolge volkswirtschaftlich unsinniger Doppelausbau vermieden werden. (Foto: Silvano Rebai, Fotolia.com)

Der Deutsche Landkreistag, der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO), Bundesverband Glasfaseranschluss (BUGLAS) und der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) fordern in einer gemeinsamen Mitteilung einen Glasfasermarkt mit fairen Spielregeln für alle Marktteilnehmer. Der gemeinschaftliche Ausbau zukunftssicherer, reiner Glasfaseranschlüsse bis in alle Gebäude stehe dabei im Wege von Kooperationen im Vordergrund. Im Rahmen solcher Modelle würden sich Anbieter fairen und transparenten Zugang zu ihren Netzen gewähren (Open Access).

Kräfte sinnvoll bündeln

“Open-Access-Geschäftsmodelle zwischen den zahlreichen lokalen und regionalen sowie bundesweiten Netzbetreibern inklusive der Deutschen Telekom sind die Ausbauszenarien der Zukunft”, zeigten sich die vier Verbände überzeugt. Auf diese Weise würden sich die Kräfte sinnvoll bündeln lassen, so dass beim Glasfaserausbau volkswirtschaftlich unsinniger Doppelausbau vermieden werden könne. Ein pauschaler Verzicht auf Regulierung komme jedoch nicht in Betracht. “Für den weiteren Ausbau von Glasfasernetzen, die bis mindestens in die Gebäude reichen, brauchen wir stärkere wirtschaftliche Anreize. Eine Verringerung von Regulierung kommt aber nur dann in Frage, wenn allen Marktteilnehmern ein Netzzugang zu fairen, zwischen den Anbietern frei verhandelten Konditionen, angeboten wird”, so die Verbände. Auch die Monopolkommission ist in ihrem vor wenigen Tagen vorgestellten Sondergutachten “Telekommunikation 2017: Auf Wettbewerb bauen!” zu dem Ergebnis gekommen, dass die Potenziale von Kooperationen beim Breitbandausbau genutzt werden sollten. “Teilen sich zwei oder mehr Unternehmen die Kosten des Netzausbaus, sinken die Ausbaurisiken, weil sich die zu erwartende Auslastung der Netze verbessert”, schreiben die unabhängigen Experten.

Warnung vor kompletter De-Regulierung

Vor einer vollständigen De-Regulierung warnt indes auch die Monopolkommission: “Sofern sich Betreiber mit beträchtlicher Marktmacht an solchen Ko-Investitionen beteiligen, sollte auf eine (flexibilisierte) Regulierung jedoch nicht verzichtet werden. Andernfalls bestünde die Gefahr, dass sich diese Unternehmen durch das Schließen strategischer Allianzen der Regulierung zulasten des Wettbewerbs entziehen.”

Nach Auffassung der Verbände muss dem Regulierer die “Schiedsrichterrolle” zukommen, sofern Verhandlungen scheitern oder verweigert werden. BREKO, BUGLAS, der Deutsche Landkreistag und der VKU setzen daher darauf, dass sich alle Marktteilnehmer gemeinsam mit der Bundesnetzagentur möglichst bald auf entsprechende Spielregeln für den künftigen (reinen) Glasfasermarkt verständigen. Auf diese Weise werde Investitionssicherheit für die Wettbewerber als maßgebliche Treiber des Glasfaserausbaus in Deutschland geschaffen und damit der flächendeckende Glasfaserausbau weiter vorangetrieben. Schon heute würden mehr als 80 Prozent des Ausbaus mit Glasfaseranschlüssen bis in die Gebäude von den alternativen Netzbetreibern in Deutschland gestemmt. Auch Landkreise, die in schwer zu erschließenden ländlichen Räumen eigene Infrastrukturen errichten und den Netzbetreibern wettbewerblich zur Verfügung stellen, würden auf Glasfaseranschlüsse setzen.

Kooperationsmodelle auf dem Vormarsch

Um Kooperationsmodelle zu fördern, hat der BREKO im November eine bundesweite Open-Access-Plattform gestartet, die allen Marktteilnehmern offensteht und über die regionale Netzbetreiber Zugang zu ihren Netzen zu fairen und diskriminierungsfreien Konditionen anbieten können. “So werden kleine Netze groß!”, sagt Breko-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers.

Kooperationsmodelle würden sich sukzessive auf dem Telekommunikationsmarkt etablieren. Auch durch die Umsetzung von Breitband-Förderprogrammen würden Open-Access-Geschäftsmodelle immer mehr an Bedeutung gewinnen, da Netzbetreiber, die Glasfasernetze im Rahmen von Förderprojekten ausrollen, dazu verpflichtet sind, ihre Netze für andere Nachfrager zu öffnen.