Mehrkanal-Management notwendig

Diskutierten über die Herausforderungen eines Portalverbundes (v.l.n.r.): Dorothea Störr-Ritter, Klaus Vitt, Matthias Kammer (Moderator), Mathias Oberndörfer und Prof. Dr. Jörn von Lucke. (Foto: BS/Dombrowsky)

Die Bundesbürger haben zum Teil hohe Ansprüche an die öffentliche Verwaltung. So wollen sie unter anderem ein Verwaltungshandeln aus einer Hand im Sinne eines one-stop-Services sowie proaktive Verwaltungsleistungen. Des Weiteren wollen sie digitale Verwaltungsangebote nutzen können und E-Government sowie IT-Sicherheit und Datenschutz erfüllt sehen.

Das berichtete Prof. Jörn von Lucke, Direktor des Lehrstuhls für Verwaltungs- und Wirtschaftsinformation an der Zeppelin-Universität Friedrichshafen. Zudem zeigte sich der Wissenschaftler überzeugt: „Es wird sicherlich der elektronische Kanal sein, mit dem die Bürger in Zukunft auf die Verwaltung zukommen werden. Gleichwohl seien der schriftliche, der telefonische und der persönliche Kontaktkanal zwischen Bürger und Verwaltung damit keineswegs obsolet, unterstrich der Forscher. Vielmehr brauche es ein Mehrkanal-Management in der öffentlichen Verwaltung.

Nur Flickenteppich bis 2022?

Als eine „Herkulesaufgabe“ bezeichnete von Lucke die Verpflichtung von Bund, Ländern und Kommunen, bis Ende 2022 ihre Verwaltungsdienstleistungen auch elektronisch anzubieten. Diese Pflicht ergibt sich aus dem Online-Zugangsgesetz. Von Lucke sieht jedoch die Gefahr, dass bis zu diesem Zieldatum nur ein „Flickenteppich“ entstehe. Ungeachtet dessen plädierte der Professor dafür, den Ansatz des Bürgertelefons 115 mittelfristig in den Portalverbund zu integrieren. Darüber hinaus verlangte von Lucke verschiedene Verzeichnisse zu erstellen. Notwendig seien unter anderem eine Übersicht über alle deutschen Gebietskörperschaften sowie ein Verzeichnis über jegliche Verwaltungsdienstleistungen.

Schrittweiser Aufbau ab Oktober

Klaus Vitt, Staatssekretär im Bundesinnenministerium (BMI) und Beauftragter der Bundesregierung für Informationstechnik, wiederum kündigte an, dass der Portalverbund ab Oktober dieses Jahres schrittweise aufgebaut werden solle. In diesem Zusammenhang verlangte Mathias Oberndörfer, Bereichsvorstand für den öffentlichen Sektor bei KPMG, aber: „Wir brauchen digitale Anwendungen.“

Eine andere Forderung erhob Dorothea Störr-Ritter, Landrätin im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald und Mitglied im Nationalen Normenkontrollrat. Sie verlangte: „Wir brauchen einen Digitalisierungspakt, in dem sich Bund, Länder und Kommunen auf Augenhöhe wiederfinden.“ Noch besser sei ein Staatsvertrag. Was es bei der Digitalisierung der Verwaltung hierzulande jedoch keineswegs geben dürfe, seien Insellösungen, so Störr-Ritter. Einig war sich die Landrätin mit Oberndörfer übrigens, dass die Digitalisierung vor keinen Grenzen Halt mache und alle Bereiche des menschlichen Lebens betreffe.