Wandel der Arbeit: „In Zukunft werden die Menschen glücklicher sein!“

Verwaltungen müssen sich neuen Arbeitsmodellen öffnen, die die Digitalisierung mit sich bringt. Junge motivierte Arbeitskräfte werden die Flexibilisierung in ihrem Berufsalltag positiv spüren. (Foto: Street Photography candid, cc by 2.0, flickr.com)

Professor Dr. Manfred Becker, Lehrstuhlinhaber für Personalwirtschaft & Business Governance an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, hält im Interview mit Behörden Spiegel Redakteur Wim Orth ein Plädoyer für die Transformation von Arbeit, Beschäftigung und Bildung in der Verwaltung 4.0. Der Wirtschaftspädagoge blickt optimistisch in die Zukunft und pocht auf die Chancen der Digitalen Transformation. Risikobereitschaft und Mut müssen aber der Gesellschaft in Fleisch und Blut übergehen. Die modernen Arbeitsmodelle machten es möglich, Privates und Berufliches deutlich besser in Einklang zu bringen. Becker wird im März 2018 auf dem Fachkongress „Digitaler Staat“ zu den aufgeworfenen Problemfeldern des Interviews Stellung beziehen. Die Fragen stellte Behörden Spiegel Redakteur Wim Orth.

Behörden Spiegel: Wie wird sich das Personalrecruiting in der digitalen Zukunft verändern?

Becker: Die Vielfalt der Beschäftigungsmöglichkeiten verändern auch die Beschäftigungsverhältnisse. Das Muster „von Hauslehre bis zum Ruhestand bei Siemens“ wird aufgebrochen werden in eine Vielfalt von Arbeitsformen. Viele neue Selbständigkeiten treten neben die Dauerbeschäftigung. Auszeiten, Weiterbildungspausen, persönliche Erlebnisstopps sind in der Zukunft integrale Bestandteile der Arbeits- und Lebensweltgestaltung. Das Recruiting muss sich parallel zu der Vielfalt der Arbeitsnachfrage aufstellen.

Behörden Spiegel: Wird es in der digitalen Welt noch ausreichend Arbeit für den Menschen geben?

Becker: Re-Integration von Arbeit und Privatleben statt Wettbewerb um Zeitanteile, die Integration von Arbeit und Privatleben in Lebens- und Arbeitsgemeinschaften, in Allmenden der Daseinsvorsorge, bestimmen ganz sicher das Leben der Menschen in der Zukunft. Die Menschen werden so glücklicher! Arbeit wird in großem Umfange an die Algorithmen der Dunkelverarbeitung abgegeben werden. Dadurch entfallen viele Stellen in der Verwaltung und der Wirtschaft. Korreliert man diesen Verlust mit der demographischen Entwicklung, dann verschwindet das Bedrohliche, weil die Bevölkerung bis zum Jahre 2060 stark schrumpfen wird.

Die Angstparole, wir würden uns in die 40-Stunden-Pause hinein bewegen, fehlt die Substanz, wenn man anerkennt, dass es viele neue soziale, organisierende, innovative Arbeit geben wird. Man sollte hier auf die Geschichte vertrauen, die lehrt, dass bisher keine technische Transformation die Menschen arbeitslos gemacht hat. Was aber im digitalen Wandel viel stärker benötigt wird, ist Mut, Risikobereitschaft, die Freude daran, Neues zu schaffen und kennenzulernen. Eine Gesellschaft der Zauderer und Bedenkenträger wird nicht obsiegen.

Behörden Spiegel: Wie sehen Sie die Chancen und Herausforderungen dieser Entwicklung?

Becker: „Problems are not yet realised opportunities“, empfiehlt, die Chancen der digitalen Transformation von Wirtschaft und Verwaltung in den Vordergrund zu stellen. Die Herausforderungen, die es zu meistern gilt, sind ganz konkrete, z. T. drastische Veränderungen der Arbeitsplätze, der Arbeitsorganisation, der Führung und der Zusammenarbeit. Diese Herausforderungen sind nur dann in echte Chancen zu transformieren, wenn die Personalarbeit in Wirtschaft und Verwaltung stark ausgebaut wird und die Führungskräfte lernen, die Vielfalt der Beschäftigtengruppen und das Tempo der Veränderungen konstruktiv, gemeinschaftlich und zielorientiert zu managen. Die Faustische Botschaft gilt: „Wer immer strebend sich bemüht“ für den ist die digitale Transformation eine große Chance.