Dänemark – Land der Digitalisierung

Unterstaatssekretär Lars Frelle-Petersen berichtet auf dem Fachkongress Digitaler Staat über das Digitale Dänemark. (Foto: Dänische Botschaft)

Unterstaatssekretär Lars Frelle-Petersen, der Abteilungsleiter für Öffentliche Innovationen im dänischen Finanzministerium, wird auf dem Fachkongress Digitaler Staat über fortschrittliche Ansätze des Digitalen Dänemark referieren. Im Interview spricht er über die Leuchtturmprojekte der Verwaltungsmodernisierung unseres Nachbarlandes und die Bürgerakzeptanz bei Online-Portalen der öffentlichen Hand. Die Fragen stellte Redakteur Wim Orth.

Behörden Spiegel: Dänemark ist Vorreiter beim Thema E-Government. Wie gestalten Sie die digitale Verwaltung in Ihrem Land?

Frelle-Petersen: Digitalisierung ist grundlegend der Start- und Endpunkt in der öffentlichen Verwaltung. Wir haben eine hochdigitalisierte Gesellschaft, daher muss der öffentliche Sektor gleichermaßen digitalisiert sein – und zwar sowohl in seiner internen Arbeitsweise wie auch in der Kommunikation nach außen mit Bürgern und Firmen. Wir haben die digitale Kommunikation innerhalb der öffentlichen Verwaltung sowie mit Bürgern und Firmen obligatorisch gemacht. So werden Prozesse und Prozeduren viel effizienter und effektiver und wir bieten daher einen zusammenhängenden öffentlichen Service.

Behörden Spiegel: Welche Aspekte des E-Government sind in Dänemark heute schon Alltag?

Frelle-Petersen: Heutzutage erhalten wir alle offizielle Briefe von Behörden nur noch in digitaler Form. Sie landen im digitalen Briefkasten (Digitale Post), der von der öffentlichen Hand betrieben wird. Insgesamt gibt es über 100 verschiedene digitale Lösungen, deren Online-Anwendung obligatorisch ist. Unsere Bürger sind in der Regel zufrieden mit den digitalen Lösungen. Beispielsweise sind 87 Prozent der Benutzer unseres nationalen Online-Bürgerportals damit zufrieden. Und wir sind stets daran unsere digitalen Lösungen zu verbessern.

Behörden Spiegel: Was sind die Leuchtturmprojekte für die kommenden Jahre?

Frelle-Petersen: Wir lernen von den Schwächen der letzten Digitalisierungsstrategie: wir wollen die Kohärenz in unserer öffentlichen Verwaltung stärken. Bürger und Firmen sollen den öffentlichen Service nicht als fragmentiertes Patchwork verschiedener einzelner Behörden erleben. Unsere Bürger und Firmen sollen einen kohärenten und lösungsorientierten öffentlichen Sektor erfahren. Deshalb kann Digitalisierung nicht als separate Problemstellung abgekoppelt vom restlichen öffentlichen Service gesehen werden. Der öffentliche Service in Dänemark und die Bedingungen, unter denen er geliefert wird, muss in einem kohärenten Zusammenspiel mit der Digitalisierung gesehen werden. Dies verlangt Führungskompetenzen und stetigen Fokus auf die regulativen Reformen. Die Gesetzgebung hat einen starken Einfluss auf die Organisation von Prozeduren und Funktionen. Die Gesetzgebung fit für die Digitalisierung zu machen und gleichzeitig einen neuen Blick auf Arbeitsabläufe und Aufgabenverteilung zu werfen, sind entscheidende Schritte für die Transformation der öffentlichen Verwaltung, welche über eine effizientere und effektivere digitale Herangehensweise verfügen soll. Diese wird entscheidend sein, um die Herausforderungen des digitalen Wandels in der öffentlichen Verwaltung zu meistern.