E-Government-Nutzung stagniert

Nur 54 Prozent der Nutzer sind mit den Online-Verwaltungsdienstleistungen in Deutschland zufrieden (Foto: John Loo, cc by 2.0, flickr.com)

Die Nutzung von digitalen Behördendienstleistungen sinkt im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozentpunkte auf 41 Prozent. In Deutschland zeigt sich somit im Langzeittrend seit 2012 eine Stagnation der E-Government-Nutzung. Die Nutzung in Österreich (74 Prozent) und der Schweiz (61 Prozent) liegt dagegen deutlich höher. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle eGovernment MONITOR 2017, den die Initiative D21 e. V. und die fortiss GmbH vor wenigen Tagen gemeinsam mit Schirmherr Staatssekretär Klaus Vitt im Bundesministerium des Innern (BMI) vorgestellt hatten.

Die Studie liefert seit 2012 jährlich ein Lagebild zur Nutzung und Akzeptanz digitaler Verwaltungsangebote durch die Online-Bevölkerung in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Die Gründe für diesen Trend seien die gleichen wie in den Vorjahren: Online-Angebote seien nicht bekannt (48 Prozent), die Anschaffung zusätzlicher Hardware sei notwendig (48 Prozent), eine vollständige Abwicklung im Internet sei nicht möglich (47 Prozent). Außerdem stiegen in diesem Jahr die Datensicherheitsbedenken insgesamt wieder an, wobei die jüngeren Befragten grundsätzlich offener sind, Daten zur Verfügung zu stellen.

Im Vergleich zum Vorjahr ging auch die Zufriedenheit mit den Online-Dienstleitungen der Verwaltung zurück. Gerade einmal 54 Prozent zeigten sich mit den vorhandenen digitalen Angeboten in Deutschland zufrieden. 2016 waren es noch 62 Prozent.

Fehlende Anreize

In bestimmten Lebenssituationen nimmt der Kontakt zur Verwaltung deutlich zu, bspw. nach der Geburt eines Kindes oder einem Umzug. Gerade in diesen Situationen wünschen sich die Menschen merkliche Entlastung durch automatisierte Prozesse und bewerten die Aussagen: “Sie erhalten Kindergeld ohne dafür einen extra Antrag stellen zu müssen” sowie “Daten werden automatisch bei allen Ämtern geändert” als besonders gut. Fragt man allgemein danach, ob das einmalige Erfassen von Daten durch den Staat und das Weiterleiten innerhalb der nationalen Behörden unter Einhaltung aller Datenschutzrichtlinien (sogenanntes “Once-Only”-Prinzip) als Teil einer modernen Behördendienstleistung empfunden wird, teilt bisher ein Drittel der Befragten (32 Prozent) diese Ansicht.

Hauptgründe für die künftige vermehrte Nutzung von digitalen Verwaltungsdiensten bleiben Zeit- und Kostenersparnis: schnellere Bearbeitung (56 Prozent), geringere Gebühren im Vergleich zum Vor-Ort-Service (51 Prozent), den aktuellen Status online abfragen können (47 Prozent).

“In einer digitalisierten Welt, in der sich alles unkompliziert online erledigen lässt, hält die deutsche Verwaltung nicht Schritt, daher sinkt die Zufriedenheit der Befragten auch so auffallend”, schlussfolgert Hannes Schwaderer, Präsident der Initiative D21. “Es fehlt an Anreizsystemen, z. B. über Gebühren- oder Zeitersparnis, um der Bevölkerung den digitalen Weg schmackhaft zu machen. Erst wenn für die Bürgerinnen und Bürger ein echter Mehrwert entsteht, werden die Dienste auch akzeptiert.”