Bitkom: Bundesbürger aus digitalem Abseits befreien

Digitalisierung bedeutet Zukunft. Etwa 20 Millionen Bundesbürger partizipieren nicht oder nur ungenügend an den Fortschrittstechnologien rund um das World-Wide-Web. (Foto: John „Pathfinder“ Lester, cc by 2.0, flickr.com)

Mit Rasanz galoppiert die Digitalisierung in sämtlichen Lebensbereichen voran. Für Ärmere, Ältere, Ängstliche und schlecht ausgebildete Personenkreise oftmals zu schnell – wie das gerade erschienene Programm „Digital für alle“ des Digitalverbandes Bitkom zeigte. Bitkom-Präsident Andreas Berg nimmt die Politik für die Legislaturperiode 2017 bis 2021 in die Pflicht, die vernachlässigten Bevölkerungsgruppen aus dem digitalen Abseits zu befreien.

Hierzu erfordere es Gründergeist, Engagement und Mut. Fortschritte in der Digitalisierung Deutschlands seien aber nur durch ein ausdifferenziertes Strategiekonzept machbar, das Antworten auf die virulenten gesellschaftlichen Missstände finden müsse: „Wir brauchen eine digitale Vision für Deutschland, Begeisterung fürs Digitale und Aufbruchsstimmung. Etwa jeder vierte Bürger empfindet sich im digitalen Abseits und jedes fünfte Unternehmen weiß nicht, wie es mit der Digitalisierung umgehen soll.“

Bitkom empfiehlt Bundeszentrale für digitale Bildung

Wie aber hat der digitale Masterplan auszusehen? Bitkom regt die Gründung einer Bundeszentrale für digitale Bildung an, die den Bürgern Methodenkompetenzen in Sachen Internet geben soll. Digitale Streetworker sollen die Unerfahrenen und Ängstlichen vom Chancenreichtum der digitalen Revolution überzeugen und mitnehmen.

Bildungswesen und Arbeit 4.0 verlangen Neudefinition

Nur der konsequente Glasfaserausbau könne den Weg für eine erfolgreiche Digitalisierung in allen Bevölkerungskreisen in Stadt und Land ebnen. Des Weiteren müsse das gesamte Bildungssystem auf den Kopf gestellt werden. Der Bitkom fordert in den deutschen Schulen eine adäquate Vermittlung von Digitalisierungskompetenzen auf bundesweit einheitlich hohem Niveau.

Ebenfalls stünden zahlreiche Berufsbilder vor einem elementaren Wandel, der mit der Digitalisierung Hand in Hand gehen müsse. Arbeit 4.0 erfordere die Reformierung der Rechts- und Sozialsysteme, die sich den neuen Gesetzmäßigkeiten des Arbeitsmarktes und seiner durch die Digitalisierung bedingten Flexibilisierung zu stellen hätten.

Ämter müssen digitale „Hausaufgaben“ machen

Bis 2025 sollten sich vor allem die Ämter in puncto Verwaltungsmodernisierung ins Zeug legen. Bisher sei der digitale Verwaltungsakt im einheitlich standardisierten Rahmen noch viel zu oft Zukunftsmusik. Die bundesweite Bürger-ID sowie eine gemeinsame Verwaltungscloud seien die „Hausaufgaben“, welche sich jede Behörde zu stellen habe.

Schlüsseltechnologien fördern

Grund zur Freude gibt es laut Bitkom bei den digitalen Schlüsseltechnologien, die in Deutschland bereits hohen Stellenwert haben. Besonders im Bereich der Künstlichen Intelligenz, Blockchain sowie dem Internet of Things (IoT) sei Deutschland in einer komfortablen Stellung. Diese innovativen Felder müssten mit einer hohen Summe jedoch noch nachhaltiger gefördert werden, so Berg. Jeder zweite Euro sollte für Digitales und Digitalisierung eingesetzt werden.