Deutschland 2021: Digitalisierung 4.0

Nachwuchskräfte müssen für digitale Welten insbesondere im Öffentlichen Dienst sensibilisiert und ausgebildet werden. Hier muss Deutschland Potenziale wecken, da viele Arbeitnehmer in den kommenden Jahren fehlen werden. (Foto: visually_conscious, cc by 2.0, flickr.com)

Der neu gewählte Bundestag und die sich bildende neue Bundesregierung haben in der kommenden Legislaturperiode bis 2021 nur wenig Zeit, um nach zehn Jahren verlorenes Terrain in der globalisierten Digitalisierung aufzuholen, die öffentliche Verwaltung für die Menschen leistungsfähig zu erhalten und für den Standort Deutschland, für “Made in Germany”, wirklich neu zu mobilisieren.

Nachwuchsmangel bekämpfen

Der Öffentliche Dienst ist mit seinen derzeit ca. 4,7 Millionen Beschäftigten das “Betriebssystem” unseres Staates, unserer Gesellschaft. Ohne die engagierten Mitarbeiter sind die Dienstleistungen für die Bürger und die Wirtschaft nicht denkbar. Aber: Die Demografie wird in der kommenden Legislaturperiode dazu führen, dass viele Tausend der heutigen Leistungs- und Wissensträger aus dem aktiven Dienst ausscheiden werden. Nachwuchskräfte für den Öffentlichen Dienst zur erforderlichen Nachfolge zu werben, gestaltet sich im Wettbewerb mit der privaten Wirtschaft zunehmend schwierig.

Die Ergebnisse der Bundestagswahl sind auch damit zu erklären, dass der Staat bei vielen Menschen im persönlichen Erleben, auch mit ihren Anliegen gegenüber der Verwaltung, den Eindruck hinterlassen hat, sich um die persönlichen Bedürfnisse vor Ort nicht (mehr) ausreichend und zügig zu kümmern. Protestwahl war und ist die Folge, mit all den jetzt zu bewältigenden, politischen Führungsproblemen in der anstehenden Legislaturperiode.

„Digitalisierungs-Offensive 4.0“

Soll das in vier Jahren sich nicht noch potenzieren, muss auch die Leistungsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung einen neuen – digitalen – Schub erhalten, der sie in die Lage versetzt, mit demografiebedingt weniger Bediensteten dennoch weiter gestiegene individuelle Bedürfnisse der Menschen in Ost und West und der Unternehmen im globalen Wettbewerb zu erfüllen. Das wird nur mit einer bundesweiten “Digitalisierungsoffensive 4.0” möglich sein, bei der die Akteure in Bund, Ländern und Kommunen mit ihren weiteren Partnern die bisher “gepflegten”, eigenen Grenzen zugunsten gesamtgesellschaftlich notwendiger Ergebnisse überwinden.

Standardisierung dringend erforderlich

Dass dazu das seit Langem vom IT-Planungsrat vorgesehene Projekt “FITKO” nun endlich in Federführung des Landes Hessen gestartet ist, könnte ein Auftakt zu einer solchen Entwicklung sein. Eine neue Qualität interoperabler digitaler Kommunikation, mit standardisierten Plattformen, offenen Schnittstellen und Austauschformaten, die Bewährtes zusammenführen und nicht unnötig Neues in Inselform erfinden.

Gastautor des Berichtes ist Wilfried Kruse, Geschäftsführender Gesellschafter IVM²